Publikationen · Governance

Die Ausschreibung in der Privatbank: wie ein unabhängiger Berater in Ihrem Namen verhandelt.

Für einen Privatanleger ist es ohne einen strukturierten Ansatz selten möglich zu ermitteln, welche Institute seinen Anforderungen entsprechen — und zu verstehen, was diese konkret in Bezug auf Strategie, Gebühren und Service anbieten würden. Die Ausschreibung, die von Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen seit Langem zur Auswahl ihrer Banken und Vermögensverwalter eingesetzt wird, ermöglicht genau dies. Diese Methode ist nun für Privatanleger zugänglich, die über etwa CHF 1 Million an Vermögenswerten verfügen, die sie bei einer Privatbank in der Schweiz investieren oder konsolidieren möchten.

Warum direkte Verhandlungen mit der Bank oft zu suboptimalen Ergebnissen führen

In einem Sektor, in dem Vertraulichkeit zentral ist und vergleichbare Informationen selten zugänglich sind, verfügt der Anleger nicht immer über die notwendigen Grundlagen, um Gebühren, Servicequalität, die vorgeschlagene Strategie und die erzielte Performance im Verhältnis zum eingegangenen Risiko objektiv zu beurteilen.

Der Kunde hat in der Regel weder einen vollständigen Überblick über den Markt und seine Akteure noch ausreichend präzise Vergleichspunkte. Eine scheinbare Gebührenreduzierung kann erhebliche Kosten in ausgewählten Fonds, Devisenoperationen oder Kreditkonditionen bestehen lassen. Ebenso kann die Performance eines Mandats zufriedenstellend erscheinen, während sie tatsächlich auf einem höheren Risikoniveau als vergleichbare Lösungen beruht.

Es wird dann schwierig, die am besten geeigneten Institute zu identifizieren und aus einer wirklich ausgewogenen Position heraus zu verhandeln.

Was eine Ausschreibung wirklich ermöglicht

Die Vermögensstrategie, die Zielallokation, das Risikoniveau und der Liquiditätsbedarf werden vorab definiert. Die Ausschreibung ermöglicht es dann, die Institute hinsichtlich ihrer Fähigkeit zu vergleichen, diesen Rahmen effizient, transparent und nachhaltig umzusetzen.

1. Das Mandat definieren, bevor Banken kontaktiert werden

Eine effektive Ausschreibung beginnt mit einer genauen Bedarfsanalyse. Was sind Ihre Vermögensziele? Welches Risikoniveau sind Sie bereit zu akzeptieren? Benötigen Sie ein Verwaltungsmandat, eine Anlageberatung, eine Kreditlösung oder ein konsolidiertes Reporting?

Dieser Schritt ermöglicht es, die strategische Allokation, grenzüberschreitende Einschränkungen und den erwarteten Personalisierungsgrad zu definieren. Ohne diesen Rahmen antwortet jedes Institut mit seiner üblichen Lösung — und die Angebote sind nicht vergleichbar.

2. Die wirklich geeigneten Institute auswählen

Es ist weder notwendig noch sinnvoll, den gesamten Markt zu konsultieren. Eine gezielte Vorauswahl identifiziert die für das Mandat geeigneten Institute: Solidität der Privatbank in der Schweiz, Beziehungsgrösse, Anlagekompetenzen, Kreditkapazität, internationale Expertise und Erfahrung mit vergleichbaren Situationen.

Das Ziel ist es, drei bis fünf Banken oder Vermögensverwalter auszuwählen, die in der Lage sind, ernsthaft auf den definierten Bedarf einzugehen.

3. Banken auf gleicher Basis in den Wettbewerb setzen

Die vorausgewählten Institute erhalten das gleiche Pflichtenheft: die Ziele, Einschränkungen und Erwartungen des Kunden, ohne unnötig sensible Informationen preiszugeben.

Jedes Angebot muss die gleichen Fragen beantworten: Welche Strategie wird empfohlen? Wie lautet die vollständige Gebührenstruktur? Welche Produkte werden eingesetzt? Welches Reporting wird geliefert? Welche Teams werden die Beziehung tatsächlich betreuen?

Diese Methode vermeidet irreführende Vergleiche zwischen Angeboten, die nicht den gleichen Umfang abdecken.

4. Angebote jenseits von Reputation und Preis vergleichen

Die Antworten werden anhand eines Kriterienkatalogs analysiert, der Ihren Prioritäten entspricht: Angemessenheit der Strategie, Gebührentransparenz, offene Architektur, Kreditkonditionen, Teamstabilität und Reportingqualität.

Diese Analyse reduziert das Risiko, eine Bank allein aufgrund einer Marketingpräsentation oder einer bestehenden Beziehung auszuwählen.

5. Die endgültigen Konditionen an Ihrer Seite verhandeln

Sobald die besten Angebote identifiziert sind, analysiert der unabhängige Berater die Unterschiede gemeinsam mit Ihnen und unterstützt Sie bei der Wahl des oder der gewählten Partner. Die endgültige Entscheidung wird stets mit dem Kunden getroffen, auf der Grundlage seiner Vermögensprioritäten, seiner Präferenzen und seiner Beziehung zu den getroffenen Teams.

Der Berater verhandelt dann an Ihrer Seite und in Ihrem Namen die wichtigsten Parameter der Beziehung: Gebühren, Devisenkonditionen, Fondskosten, Kreditmodalitäten, Zugang zu Teams, Reportingqualität und Bedingungen für den Portfoliotransfer.

Die Verhandlung ist effektiver, wenn die Bank weiss, dass ihr Angebot mit glaubwürdigen Alternativen verglichen wird und die Entscheidungskriterien klar festgelegt sind.

Kann die aktuelle Bank in die Ausschreibung einbezogen werden?

Ja. Die Einbeziehung einer bestehenden Bank in die Ausschreibung bedeutet nicht zwangsläufig, dass man sie verlassen möchte. Diese Vorgehensweise ermöglicht es zu überprüfen, ob die aktuellen Konditionen noch wettbewerbsfähig sind, Serviceverpflichtungen zu formalisieren oder die Beziehung an eine neue Vermögenssituation anzupassen.

In einigen Fällen bleibt die aktuelle Bank der beste Partner. In anderen zeigt die Ausschreibung, dass eine andere Struktur die Bedürfnisse des Kunden besser erfüllt. Weiterführend: Ihre aktuelle Privatbank bewerten, bevor Sie eine Ausschreibung starten.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Betrag lohnt sich eine Ausschreibung?

Das Verfahren wird generell ab etwa CHF 1 Million zu investierender oder zu konsolidierender Vermögenswerte sinnvoll. Die Komplexität der Vermögenssituation kann jedoch eine unabhängige Analyse auch bei anderen Beträgen rechtfertigen.

Verpflichtet eine Ausschreibung zum Bankwechsel?

Nein. Es geht in erster Linie darum, die verfügbaren Optionen zu vergleichen und aus einer informierten Position heraus zu verhandeln. Der Verbleib bei der bestehenden Bank kann die beste Entscheidung sein.

Kann die aktuelle Bank einbezogen werden?

Ja. Die bestehende Bank kann am Prozess teilnehmen und ein überarbeitetes Angebot einreichen — so lässt sich prüfen, ob ihre aktuellen Konditionen noch angemessen und wettbewerbsfähig sind.

Fazit

Eine Ausschreibung im Privatbanking in der Schweiz ermöglicht es, einen Partner anhand klarer Kriterien auszuwählen: Qualität der Strategieumsetzung, Teamkompetenz, Transparenz der Konditionen, Kreditkapazitäten, Reporting und Kontinuität der Beziehung.

IM Wealth Select organisiert vertrauliche Ausschreibungen für Familien und Privatinvestoren, die ihre Bankbeziehungen auswählen, neu verhandeln oder überwachen möchten. Wir analysieren Ihre Situation, definieren gemeinsam mit Ihnen das Mandat, identifizieren die geeigneten Partner, vergleichen die Angebote und begleiten Sie bei der Auswahl und Verhandlung der Konditionen.

Unsere Vergütung wird ausschliesslich von unseren Kunden geleistet. Wir erhalten weder Provisionen noch Retrozessionen von den geprüften Instituten.

Kontakt